Joseph Wresinski kam am 12. Februar 1917 als Sohn eines Polen und einer Spanierin in Angers (Frankreich) zur Welt. Er verlebte seine Kindheit in bitterer Armut. Nach einer Konditorlehre kehrte er mit siebzehn Jahren auf die Schulbank zurück, um Priester zu werden. Dabei wollte er seinen Wurzeln treu bleiben und vor allem den Ärmsten nahe sein. Am 29. Juni 1946 wurde er in Soissons zum Priester geweiht. Danach war er zunächst als Vikar in einem Industriegebiet und später als Landpfarrer tätig. 1956 schlug sein Bischof ihm vor, die Arbeit in einem Obdachlosenlager in Noisy-le-Grand (östlich von Paris) aufzunehmen, in dem rund 250 Familien lebten.

Am 14. Juli 1956 kam er zum ersten Mal dorthin. Er erfuhr einen wahrhaftigen Schock. "An diesem Tag bin ich ins Elend eingetreten", schrieb er später. Er setzte seine ganze Energie ein, damit diese Familien in ihrer Würde und als Volk anerkannt werden - als Volk mit eigenem und einzigartigem Erfahrungshintergrund, nicht wegzudenken aus der Gesellschaft. "Ich war besessen von der Idee, dass dieses Volk niemals aus seinem Elend herauskommen würde, solange es nicht in seiner Gesamtheit, als Volk, empfangen würde, wo die andern Menschen diskutieren und sich mühen. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich, wenn ich hier bliebe, dafür sorgen würde, dass diese Familien die Stufen des Vatikans, des Elysées, der UNO emporsteigen können."
Armut bekämpfen bedeutete für ihn, Hunger nach Wissen und Zukunft stillen - anstelle der entwürdigenden Suppenverteilung. Den Familien in Noisy-le-Grand schlug er vor, einen Kindergarten und eine Bibliothek zu gründen. Eine Kapelle, eine Werkstätte, eine Wäscherei und ein Schönheitssalon wurden nach und nach eingerichtet.
Zusammen mit den Familien in Noisy-le-Grand gründete Père Joseph Wresinski eine Vereinigung, die später zur Bewegung "Aide à Toute Détresse" (ATD, frz. "Hilfe in grösster Not") wurde. Ihn trieb eine Gewissheit an: "Elend ist nicht unabänderlich,es ist von Menschen geschaffen worden." Mit der Zeit engagierten sich mehr und mehr Frauen und Männer unterschiedlichster Herkunft gemeinsam mit ihm dagegen. Einige entschieden sich, ihre Erfahrungen und ihr Leben mit den Ärmsten zu teilen. So entstand das "Volontariat", die Gemeinschaft der hauptamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von ATD Vierte Welt.
1979 wurde Joseph Wresinski zum Mitglied des französischen Wirtschafts- und Sozialrats ernannt. In dessen Namen legte er 1987 den wegweisenden Bericht "Grosse Armut und wirtschaftliche und soziale Unsicherheit" vor. Der Rat nahm seine Vorschläge für einen umfassenden Kampf gegen die Armut ohne Gegenstimme an und anerkannte damit: Das Elend stellt eine Verletzung der Menschenrechte dar. Es zu überwinden ist nicht möglich, ohne die Ärmsten als Partner einzubeziehen.
Am 17. Oktober 1987, kamen auf Joseph Wresinskis Einladung hin 100’000 Menschen aus allen sozialen Schichten und aus aller Welt auf dem Trocadéroplatz in Paris zusammen, um der Respektierung der Menschenrechte Nachdruck zu verleihen. Eine Gedenktafel für alle Opfer von Hunger, Unwissenheit und Gewalt wurde eingeweiht mit folgendem Aufruf Wresinskis: "Wo immer Menschen dazu verurteilt sind, im Elend zu leben, werden die Menschenrechte verletzt. Sich mit vereinten Kräften für ihre Achtung einzusetzen, ist heilige Pflicht."
Das war die Geburtsstunde des Welttags zur Überwindung von Armut und Ausgrenzung, der 1992 von der UNO anerkannt wurde.
Am 14. Februar 1988 verstarb Joseph Wresinski. Er ist in Méry-sur-Oise (Frankreich) im internationalen Zentrum der Bewegung ATD Vierte Welt beigesetzt. Sein Name bleibt mit der Befreiung der Ärmsten verbunden, deren authentischer Vertreter er sein Leben lang war. Das Internationale Zentrum Joseph Wresinski in Baillet-en-France (Frankreich) sammelt sein Gesamtwerk und trägt zu dessen Verbreitung bei.
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