Das Denken der Ärmsten

Damit Erkenntnis zum Einsatz motiviert

Einleitung zu einem Treffen des ständigen Forschungsausschusses Armut und soziale Ausgrenzung, Paris, Unesco*, 3. Dezember 1980.

I.  Die  akademische  Kenntnis  der  Armut  –  eine  Ergänzung  zu  anderen  Wissensformen

Unsere Bewegung und auch unser Ausschuss stellen sich die Frage, welche Kenntnis wir brauchen, um Armut und Ausgrenzung wirksam zu bekämpfen.

  • Welche Kenntnis brauchen die Armen?
  • Welche Kenntnis brauchen die Projektteams?
  • Welche  Kenntnis  brauchen  unsere  nationalen Gesellschaften  und  die  Internationalen Gemeinschaften?

Sicher könnten wir sagen, dass jeder von uns im Laufe seines Lebens und seines persönlichen Einsatzes eine Periode der Geschichte durchlaufen hat, in der die Frage „Welche Kenntnis?“ weitgehend  mit  einer  akademischen,  an  der  Universität  erarbeiteten Kenntnis  beantwortet wurde. Viele von uns erwarteten, dass die an den Universitäten oder anderen Forschungsinstitutionen konstruierte Kenntnis der Durchsetzung politischer  und gesetzgeberischer Massnahmen am meisten förderlich sei. Man erwartete viel von dieser Wissenssparte, zu der Forscher, Akademiker,  Wissenschaftler Zugang  haben,  die  eine Beobachterposition  einnehmen,  deren Lebenslage aber dem Leben der Meistbenachteiligten fremd ist. Diese  Art  von  Kenntnis wurde wegen  ihrer Methodik,  ihrer  Strenge,  ihrer Objektivität, ihrer „Neutralität“ hoch eingeschätzt. Dies waren  beruhigende  Aspekte  für  diejenigen,  die  angesichts der  unermesslichen  Komplexität der Probleme, aber auch der subjektiven  Art,  mit der Politiker sie angingen und darstellten, eine objektive Wahrheit finden wollten als Leitlinie für eine bewusste und wirksame Aktion für die Armen.

… Das Grundproblem, das wir bis heute zu wenig klar erkannt haben, ist folgendes: Die akademische  Kenntnis  der  Armut  und  der  Ausgrenzung  –  wie  übrigens  auch  jeder  anderen menschlichen Realität – ist einseitig. Diese Kenntnis kann nur eine indirekte und rein informative  sein.  Es  fehlt  ihr  die  Verhaftung  im  Realen  und  deshalb  kann  sie  die  Menschen  weder aufrütteln noch zum Handeln anstiften.

Viele von uns haben gelegentlich eine gewisse Enttäuschung verspürt, weil die eine oder andere ihrer Studien wirkungslos blieb. Wir haben dabei vielleicht nicht genügend bedacht, dass die akademische Forschung im strengen Sinn notwendigerweise zu einer Abstraktion führt, zu einer  Aussenansicht  der  Wirklichkeit,  in  allgemeinen  Sätzen  formuliert.  In  diesem  Abbild fehlen Gefühle und Farben, also genau das, was in den Menschen den Wunsch wecken kann, für andere Menschen zu handeln. Eine umfassende Kenntnis der Armut und der Ausgrenzung muss gleichzeitig informieren, erklären und aufrütteln. Die wissenschaftliche Forschung muss sich bewusst sein, dass sie nur ein Bestandteil davon ist, der informative, sozusagen „leblose“ Teil.

Denn ihre Erkenntnisse bleiben ohne Leben, solange sich an ihrer Seite nicht zwei andere Bestandteile finden:

  • die  Erkenntnisse  der  Armen  und  Ausgeschlossenen,  die  sowohl ihre  eigene  Lage  als auch die Welt, die sie in diese Lage versetzt, als Realität von innen erleben,
  • die  Erkenntnisse der Menschen, die  mit den Opfern  grosser Armut  und  Ausgrenzung leben und arbeiten.

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* Die UNESCO (englisch United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, deutsch offiziell Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur,[1] auch: Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur[2])
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