Und das Elend lachte aus vollem Hals

Alle Kinder dieser Welt sind arm, weil sie von den Erwachsenen und von ihrer Umgebung abhängig sind. Ob von reichen oder armen Eltern, nichts gehört ihnen. Ob ihre Sehnsucht nach Liebe, Freude und Frieden, nach Licht und Schönheit gestillt wird, hängt davon ab, was ihre Umgebung und jene, die sie lieben, mit ihnen teilen.

Doch weltweit gibt es Kinder, die nichts von all dem abbekommen, denn ihre Eltern und ihre Freunde haben nichts zum Teilen. Diese Kinder sind im Elend geboren. Das wurde mir neulich wieder bewusst.

Es war in einer Notsiedlung bei Einbruch der Nacht. Kalt legte sich die Feuchtigkeit um die Schultern; es war, als kröche sie aus allen Gassen, aus all den seelenlosen Häusern ohne Wärme, als käme sie von den Leuten ringsum, die da beziehungslos, sprach- und antwortlos hausten. Ich spürte die Verzweiflung dieser Leute. Nichts ist für sie von Bestand, weder heute noch morgen, noch irgendwann; auf niemand ist Verlass,

Und umso schmerzlicher war diese Erkenntnis, als ich mitten auf der Straße, im Herzen der Siedlung das Weinen eines ganz kleinen Jungen vernahm. Zögernd ging er voran und tastete sich mit ausgestreckten Armen durch das Dunkel. Aus einer Gruppe löste sich ein Mädchen. Sie war vielleicht acht oder zehn Jahre alt, wer weiß. Sie eilte zum Brüderchen hin, um es zu halten und zu trösten und um es ans Herz zu drücken. Sie bückte sich, hob das Kind hoch und nahm es in ihre Arme. Doch da kam von hinten ein Junge und stieß sie mit dem Fuß. Der Junge lachte, und in der Dunkelheit schien alles in sein Gelächter einzustimmen: es lachten die derben Flüche, es lachten die Tränen. Das Elend lachte in dieser Siedlung wie in allen Elendsstätten der Welt. Um nicht zu weinen, lachte das Elend aus vollem Halse  vor Ekel und vor Schmerz … Eine Flut von Gelächter schwappte über das Mädchen hinweg, das am Boden über seinem Brüderchen lag. Seine Angehörigen, sein ganzes Volk lachte es aus. Weit und breit war niemand, der ihm beistehen wollte. Aufgeregt trug es das Kind weg, gebeugt unter der Last eines Menschensohnes, der nach Liebe schrie.

Diese Menschensöhne, die Kinder des Elends, bekommen Frieden, Freude, Zuneigung, Licht und Schönheit nicht als Erbe mit. An jenem Abend wurde mir bewusst, dass Millionen Kinder auf der Erde sich so in der Leere verlieren, weil sie in ihrer Welt keinem von uns begegnen, der sie lieben könnte.

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