Eines müssen die Jugendlichen der Vierten Welt unbedingt wissen, nämlich, dass sie Teil einer Gruppe sind, die immer ungerecht behandelt wurde, und dass sie etwas für diese Gruppe tun können.
Diese Solidarität, die auch Don Bosco seinen Jugendlichen eingeprägt hat, ist absolut entscheidend. „Wir gehören einem Volk an und müssen unser Volk im Bestreben aus der Armut zu kommen mitnehmen. Wir sind Teil einer Familie und wir werden nie allein ausgegrenzt, sondern immer mit anderen: mit unseren Freunden, mit unserer Familie, mit unserem Milieu. Wir arbeiten, um nicht mehr ausgegrenzt zu werden, um für unsere Freunde und unsere Familie nützlich zu sein.“
Unsere Institutionen verbreiten das Virus der individuellen Förderung, welche stets auch darin besteht, in das Umfeld der anderen zu wechseln. Problematisch ist, dass man Gefahr läuft, sich seinem eigenen Milieu zu entfremden. Anders gesagt: man ist dann nicht mehr von gestern, aber auch noch nicht von morgen, denn in der neuen Umgebung gilt man irgendwie doch immer als Emporkömmling.
Man ist kein Emporkömmling, wenn man in die gegebene Gesellschaft ein Erbe mitbringt, das man nicht leugnet und das einen nährt.
Der Vater, der sich betrank, war trotz allem dein Vater. Die Mutter, die manchmal auf den Strich ging, um euch am Leben zu erhalten, war trotzdem deine Mutter. Diese Geschwister, die – was auch immer geworden sind, sind trotzdem deine Geschwister. Die Erfahrungen, die du in einem Heim gemacht hast, vermitteln doch auch Wärme…
All das zu verleugnen hieße seine Wurzeln verleugnen. Und wenn man keine Wurzeln mehr hat, ist man überall ein Emporkömmling.
Es gilt, seine Wurzeln zu bewahren gegen die selektive Förderung1, die dazu führt, dass diejenigen, die man für die Besten hält, gleichsam an den Haaren aus ihrem Milieu herausgezogen, aber nirgendwo wirklich eingelassen werden. Das Milieu der Ärmsten hingegen wird immer amorpher, weil diejenigen, die als die dynamischsten gelten, sich aus dem Staub machen.
1 Der französische Begriff "écrémage" (engl. creaming), den Joseph Wresinski im Originaltext verwendet, bedeutet wörtlich übersetzt "absahnen". Die explizite Verwendung des Begriffs im übertragenen Sinn für die Auswahl der Besten in einem sozialen oder Arbeiterkontext taucht in Bildungs-, Wirtschafts- oder mit dem Personalmanagement verbundenen Debatten ab dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert auf. Wresinski benutzt den Begriff im Zusammenhang mit der selektiven Förderung der am besten angepassten oder dynamischsten Personen aus einer benachteiligten Gruppe, Individuen, die als "erfolgversprechend" und "förderungswürdig" gelten, wobei der Rest, d.h. die Bedürftigsten, außen vor gelassen werden. cf. Artikel Creaming the Poor von S. M. Miller, Pamela Roby and Alwine de Vos van Steenwijk, published in Transaction, June 1970
